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Große Rituale mit kleinen Kindern - 5 Tipps damit es klappt

Wie wichtig Rituale für Kinder sind, ist kein Geheimnis. Sie lieben das Bekannte, Wiederkehrende, eine gewisse Struktur - und eine Spur Magie und Fantasie darf auch dabei sein. Daher sind kleine Rituale im Alltag mit Kindern so wertvoll.

Wie sieht es jedoch mit größeren Ritualen aus? Rituale zu Festtagen, die mir, als Mama oder Papa, besonders wichtig sind, die zu Familientraditionen geworden sind und vielleicht in einem größeren Kreis begannen werden - auch mit kinderlosen Paaren oder Singles? Solche Rituale finden meistens zu den großen Festtagen im Jahreskreis statt und es gibt sie in beinahe jeder Religion. Es kann zu Spannungen kommen, wenn ein Teil der (größeren) Familie auf den altbekannten Ablauf einer Tradition besteht und dabei nur wenig oder gar keine Rücksicht auf Familienmitgliedern mit kleinen Kindern genommen wird - und besonders auf jene. Dabei sind viele Sorgen, die sich manch einer im Vorfeld macht, am Ende unbegründet.

Die Wintersonnenwende mit Kindern

Am 22. Dezember in diesem Jahr feierten wir die Wintersonnenwende, das ursprüngliche Julfest. Es war ein Tag voll Rituale, die wir mit vier Kindern im Alter von 19 Monaten, sowie 4, 7 und 9 Jahren, und zwei Erwachsenen  begannen. Während einige Rituale den älteren Kindern bereits bekannt waren, waren andere für alle neu. Wie der Tag bei uns ablief und auf welche Weise die Kinder sich daran beteiligten, erzählte ich noch am selben Abend in einem Live-Video auf Facebook.

Du kannst das Video hier sehen - auch wenn Du nicht bei Facebook registriert bist.

Ein Tag voll Rituale

Am Abend vor unserem Julfest hatte ich bereits ein bisschen Sorge, dass der Tag für die älteren Kinder zu strukturiert sein könnte, dass sie zu wenig Zeit für sich, für freien Spiel und Bewegung haben könnten. Dies war eine dieser Sorgen, die in den Bereich "unbegründet" fielen, denn die Jungs nutzten jede unverplante Minute für ihr eigenes Spiel.

 

Unser Tag begann mit einem gemütlichen, gemeinsamen Frühstück, bei dem wir besprachen, wie die Menschen früher ohne Heizung und elektrischem Licht die langen Winternächte erlebten und warum sie mit der Wintersonnenwende die Rückkehr des Lichts feierten.

Daran schloss sich eine Bastelaktion an, an welcher alle Familienmitglieder teilnahmen. Wir beklebten Gläser mit Transparentpapier. Diese Windlichter wollten wir am Abend in unserem Lichter-Ritual nutzen.

Ein wenig später schrieben wir unsere Rauhnachtswünsche auf. In jeder kommenden Rauhnacht werden wir einen Wunschzettel verbrennen und diesen damit an das Universum geben.

Bald darauf bereiteten wir - zum Teil gemeinsam - das Abendessen vor, schnitten Fleisch und Gemüse für das Raclette und besprachen noch einmal den weiteren Abend.

Zum Sonnenuntergang sollte es ein kleines Feuer im Garten geben, bei dem wir auch unseren ersten Rauhnachtswunsch verbrennen wollten. Das fiel leider wegen der Wetterlage ins Wasser. Die übrigen Aktionen fanden daher etwas früher statt, was uns am Ende sehr angenehm war.

Das gemeinsame Essen mit Raclette klappte auch mit den beiden jüngeren Kindern wunderbar. Die beiden älteren fühlten sich rasch für die Zubereitung des Grillguts verantwortlich.

Nach dem Essen begann der Teil, der mir besonders wichtig und wertvoll war. Wir versammelten uns im Kreis um eine Kerze, gedachten der Dunkelheit - auch jener in uns selbst - und entzündeten dann nach und nach die Lichter in der Wohnung. Als erstes waren unsere Windlichter dran, die wir einander weitergaben, während wir einen kleinen Vers dazu sangen.

Mit den Windlichtern in den Händen wanderten wir durch das dunkle Treppenhaus in die obere Wohnung, in welcher Liobas Papa wohnt. Auch dort entzündeten wir alle Kerzen, gedachten dem Licht und der Freude in uns und verbrannten unsere ersten Rauhnachtswünsche.

Mit einem gemeinsamen Filmabend ließen wir den Tag ausklingen.

Ich schenke Dir mein Licht

Liebe Kinder, ich schenke Euch mein Licht.

Passt gut drauf auf, denn das verlischt es nicht.

Liebe Kinder, der helle Kerzenschein,

soll Euch sagen: Ich werd' bei Euch sein.

 

Liebe/r NAME, ich schenke Dir mein Licht.

Pass gut drauf auf, denn dann verlischt es nicht.

Liebe/r NAME, der helle Kerzenschein,

 

soll Dir sagen: Ich werd' bei Dir sein.

 

Liebe Menschen, ich schenke Euch mein Licht.

Passt gut drauf auf, denn das verlöscht es nicht.

Liebe Menschen, der helle Kerzenschein,

soll Euch sagen: Ich werd' bei Euch sein.

5 Tipps damit es klappt

Gerade Weihnachten, aber auch Silvester, Ostern oder andere Feste, die im großen Kreis oder mit liebgewonnen Ritualen und Traditionen begannen werden, ist es wichtig die teilnehmenden Kinder mit einzubeziehen. Mit diesen kleinen Inspirationen klappt es ohne größere Einschränkungen für alle Beteiligten.

Vorbereitung

Es spielt keine Rolle, ob ein Kind gerade seinen ersten Geburtstag feierte oder bereits im Schulalter ist. Was unbekannt ist, macht schnell Angst und birgt Unsicherheiten. Ich spreche rechtzeitig und immer wieder über die geplanten Aktionen eines Festtages, Mit den älteren Kindern spreche ich bereits einige Tage vorher drüber, thematisiere den Ablauf immer wieder, frage sie, wie sie sich einzelne Rituale vorstellen und was sie dazu beitragen möchten.

Da ganz Kleinkinder noch kein Verständnis für Zeit haben, vermeide ich es, mit ihnen früh über den Festtag zu sprechen. Viel wichtiger ist bei ihnen, jedes Ritual unmittelbar bevor es stattfindet kurz und kindgerecht zu erklären.

Freiwilligkeit

Die Teilnahme an einem Ritual sollte immer freiwillig sein. Ich erklärte allen Kindern im Vorfeld, wie wichtig mir das Ritual ist und gab ihnen die Möglichkeit auch mitten drin leise den Raum zu verlassen und sich in einem anderen Zimmer zu beschäftigen, statt durch Lachen oder Ärgern zu stören.

Dies gilt meiner Meinung nach auch für Gottesdienste. Für Kleinkinder ist ein Gottesdienst oft lang und schnell langweilig. Niemand wird sich beschweren, wenn ein Erwachsener mit dem Kind in ein Neben- oder Vorzimmer geht. Das wird allen lieber sein, als Geschrei während der Predigt oder Gesängen.

Kinder einbeziehen

Hier erwähne ich zuerst den Gottesdienst, bei dem Kinder am wenigsten aktiv werden können. Als meine Tochter zuletzt an einem Gottesdienst teilnahm, war sie gerade ein Jahr alt. Wir hatten uns mit ihr bewusst in die letzte Reihe gesetzt. Der Diakon war sehr zuvorkommt und stellte uns einen vorbereiteten Korb mit Büchern und Kuscheltieren hin, als sie unruhig wurde. So konnte sich einer von uns mit ihr hinter den Sitzenden leise beschäftigen und dennoch am Gottesdienst teilnehmen. Übrigens habe ich sie dort, in der letzten Reihe auch gestillt, ohne dass es jemanden gestört hätte.

In häuslichen Ritualen ist es wesentlich einfacher, Kinder einzubeziehen. Je nach Alter können Kerzen anzünden, eine andere kleine Aufgabe übernehmen oder ein Lied auswählen und vielleicht sogar vorsingen.

Ängste ernst nehmen

Kinder haben mitunter Ängste, die Erwachsene nicht unbedingt nachvollziehen können. Dann passiert es leicht, dass die Angst weggeredet wird ("Ist doch nicht so schlimm. Es ist doch gar nichts passiert."), dass sie lächerlich gemacht wird ("Schau, der XY findet es lustig. Stell dich nicht so an.") oder dass sie bedrängt werden ("Nun, geh schon hin. Er beißt schon nicht.").

Gerade um Weihnachten und Silvester herum passiert so viel, was sich Kleinkinder nicht erklären können. Nicht nur für sie liegt Magie in der Luft. Im Idealfall lasse ich die Ängste erst gar nicht aufkommen, weil ich die Situation zuvor aus der Sicht meines Kindes betrachte.

 

Dunkelheit: Viele Kinder haben Angst vor der Dunkelheit - insbesondere wenn ohnehin Spannung in der Luft liegt. Kommt es zu einer geplanten Dunkelheit, sorge ich für eine winzige Lichtquelle und/oder achte darauf, dass meine Tochter meine Nähe finden kann.

 

Weihnachtsmann / Nikolaus: Ein großer, fremder Mann mit Bart kann furchterregend sein. Ich erzählte meinen Neffen zuvor ganz genau, was passieren wird und ließ ihnen vor allem die Wahl, ob sie hingehen wollten oder nicht. Niemand sollte ein Kind aus dem Wunsch der Erwachsenen heraus auf den Schoß dieses "fremden Mannes" gesetzt werden.

 

Lärm und Knallerei: Die meisten Kleinkinder schlafen zu Silvester um Mitternacht. Einige wachen von dem Feuerwerk auf oder sind von aus eigenem Wunsch dabei. Selbst dann kann es vor kommen, dass Lärm, plötzliche Knälle (Ist das der Plural von Knall?) und insbesondere die kanonenartigen Böller sie tief erschrecken. Hilfreich mag es sein, das Feuerwerk vom Fenster aus zu betrachten und dem Kind diese Möglichkeit in jedem Fall offen zu halten, falls es den eigenen Mut überschätzt hat.

 

Erlebt das Kind trotz der besten Vorbereitung einen Angstmoment, gilt es ruhig zu bleiben, es zu beruhigen und aus der Situation zu bringen. Die meisten Kinder können mit etwas Abstand dennoch am Ritual teilnehmen.

Authentisch sein

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Kinder spüren, wenn mir etwas wichtig ist. Wenn ich dies von Anfang an mitteile und sie in Vorbereitung und Ablauf teilhaben lasse, wenn ich auch die Kinder ernst nehme, wird es ihnen ebenfalls wichtig sein, dass sich während der gemeinsamen Tradition oder des Rituals alle wohl fühlen.

Das erwartet dich im Jahr 2020!

Im kommenden Jahr wird es ganz viel Neues bei natürlich miteinander sprechen geben. Zu viel möchte ich noch nicht verraten, doch einen kleinen Einblick gebe ich Dir im aktuellen Video:

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Sonnenuntrgang: © twinlili / pixelio.de