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Wenn Babys trösten

Am 26. April 2018 schrieb ich diesen Artikel, in dem es unter anderem darum geht, warum Jungen und Mädchen nicht von Geburt an Mitgefühl empfinden können. Dennoch erlebte ich bei meiner eigenen Tochter, wie sie bereits als Baby ihren älteren Cousin tröstete, als dieser weinte. Wie kann das sein?

Entfaltung zur Empathie

Junge Menschen entwickeln ihr Ich-Gefühl im Laufe eines langen Prozesses. Dazu gehört, dass sie sich etwa ab dem 18. Lebensmonat im Spiegel erkennen und sich selbst mit Namen benennen. Zu diesem Zeitpunkt begreifen sie sich noch nicht als eigenständiges Wesen. Sie erleben sich und die Personen in ihrem Umfeld noch als Einheit. Erst im Laufe des 3. Lebensjahres beginnen sie von sich selbst als "Ich" zu sprechen. Sie begreifen zunehmend, dass sie einen Einfluss auf ihre Umwelt haben. Sie werden wütend oder traurig, wenn sie sich in ihren Möglichkeiten begrenzt erleben; wenn zum Beispiel der Turm umkippt, wenn sich eine Dose nicht öffnen lässt, wenn das Geschwisterchen das Spielzeug nicht teilen möchte oder Eltern etwas verbieten.

In dieser Zeitspanne sind Jungen und Mädchen allerdings noch nicht in der Lage, sich in eine andere Person hinein zu versetzen. Sie begreifen noch nicht, dass der Teddy auf dem Tisch für die Mutter, die gegenüber sitzt, anders aussieht, als für den Zweijährigen. Ebenso wenig können sie einen Satz verstehen, wie: "Wenn Du Deinen Bruder haust, tut es ihm weh." Der zweijährige Mensch spürt den Schmerz nicht und kann sich nicht in die Lage und den Schmerz des Bruders hinein versetzen.

Erst mit etwa vier Jahren erkennen unsere Jüngsten, dass verschiedene Personen andere Meinungen, Vorstellungen, Erlebnisse und Gefühle haben. Mit dieser Erkenntnis sind sie zunehmend auch zu Empathie in der Lage.

Tiefgehende weitere Informationen zu diesen ersten Lebensjahren eines Menschen, auf welche Weise er von seiner Umgebung geprägt wird und wie das sein komplettes, weiteres Leben beeinflusst, erhältst Du im kostenlosen Erkenntnis-Webinar.


Emotional Hochbegabt?

Im Dezember 2018 schlief mein damals 3jähriger Neffe mehrere Nächte bei uns. Es kam vor, dass er in der Nacht weinte, weil er seine Mama vermisste. Wenn meine Tochter davon wach wurde, versuchte sie mitunter ihren Cousin mittels streicheln zu trösten. Ich war davon sehr überrascht, denn Lioba war erst 6 Monate jung.

 

Zwei Monate später hielt ich diese kleine Szene fest. Mein Neffe war wegen etwas wütend und traurig. Lioba krabbelte zu ihm hin und versuchte ihn zu trösten und mit einem Spielzeug aufzuheitern.

 

Wie ist das möglich, wenn so junge Menschen noch gar nicht zu Mitgefühl in der Lage sind?


Alles ist eins!

Lioba, 18 Mon., spielt mit ihrer Uroma
Lioba, 18 Mon., spielt mit ihrer Uroma

Im Oben erwähnten Erkenntnis-Webinar wird sehr deutlich, dass für unsere jüngsten Erdenbürger buchstäblich noch alles Eins ist. Als meine Tochter 18 Monate jung war, begriff sie natürlich, dass ihre Uroma ein eigener Mensch ist - und nicht sie selbst. Doch dass die Gelenke der alten Frau schmerzen, ihre Reaktionen langsamer sind und sie daher nicht so wild spielen kann, wie Papa nur zwei Minuten zuvor, verstand sie nicht.

 

Wie war es ihr also möglich, bereits ein Jahr zuvor ihren Cousin zu trösten?

 

Ich nehme an, dies hat genau mit diesem Eins-Sein zu tun. Lioba spürte die Trauer des Jungen, während sie selbst fröhlich oder zufrieden war. Das passte nicht zusammen. Vermutlich hat sich die Traurigkeit des Cousins, anders oder fremd angefühlt, vielleicht sogar "falsch". In dem unbewussten Willen, alles in ihrer Welt wieder "richtig" zu stellen, so dass es sich passend oder stimmig anfühlt, versuchte sie den Dreijährigen zu trösten. Dabei nutzte sie die Möglichkeiten, die sie bereits in ihrem jungen Leben kennen lernen durfte.

 

Lioba wusste, wenn sie weint, wird sie auf den Arm genommen, gewiegt und gestreichelt. Mama und Papa sprechen mit sanfter Stimme, singen oder summen. Manchmal nimmt Papa auch ein Spielzeug hinzu, um Lioba abzulenken. All diese Erfahrungen wandte sie nach ihren Möglichkeiten an, ohne die Trauer oder die Wut des Cousins begreifen zu können. Ihr intuitives Ziel bestand darin, ihre Welt wieder in Einklang zu bringen.

Erwachsene sind emotional behindert

Die meisten Erwachsenen sind emotional behindert. Damit meine ich, dass sie nicht mehr in der Lage sind, all ihre Gefühle zuzulassen, zu beachten und Wert zu schätzen. In unserer Gesellschaft erleben die meisten Menschen in ihrer Jugend, dass bestimmte Emotionen nicht gern gesehen sind. Einige Gefühle - oder das Ausleben selbiger - werden sogar regelrecht verboten. Die Folgen sind, neben körperlichen Krankheitssymptomen, unkontrollierte emotionale Ausbrüche und psychische Krankheiten.

 

Babys und die jüngsten Menschen haben dieses Handycap noch nicht. Da sie zusätzlich ihre Umwelt und sich darin als Einheit erleben, halte ich es für möglich, dass sie ein viel feineres Gespür für Gefühle und Emotionen haben, als Wissenschaftler und Pädagogen sich das im Allgemeinen vorstellen.

Vielleicht ist es tatsächlich so, dass ein Baby, welches einen weinenden, nahe stehenden Menschen streichelt, kein erlerntes Verhalten imitiert, sondern intuitiv tröstet, da es die niedrigen Schwingungen der Trauer spürt und der unbewusste Herzenswunsch in ihm wohnt, alles rund herum möge in den hohen Wellen von Freude und Liebe schwingen.


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Sonnenuntrgang: © twinlili / pixelio.de